Christentum

Das Christentum ist mit über 2,1 Milliarden Anhängern vor dem Islam (ca. 1,3 Milliarden) und dem Hinduismus (rund 800 Millionen) die größte Religion der Erde. Gelegentlich wird mit dem Begriff auch die Christenheit – die Gesamtheit der Anhänger dieser Religion – bezeichnet. Das Christentum ist die Religion der sakramentalen Taufe und der darin begründeten Kirche.

Der Begriff „Christentum“ (v. griech. christianismós) wird erstmals in einem Brief des syrischen Bischofs Ignatius von Antiochia erwähnt. Die Anhänger des Christentums nennen sich selbst Christen, nach Jesus Christus. Die Apostelgeschichte 11,26 EU erzählt, dass die Nachfolger Christi den Namen Christen zuerst von den Nichtchristen der zum Römischen Reich gehörenden syrischen Stadt Antiochia am Orontes erhielten, in welche sie nach den ersten Verfolgungen in Palästina geflohen waren.

Das Christentum ist eine gestiftete, monotheistische und missionierende Religion. Seine Wurzeln liegen im Judentum, in Palästina, zur Zeit der römischen Herrschaft zu Beginn des 1. Jahrhunderts. Das Christentum geht zurück auf die Anhänger des jüdischen Wanderpredigers Jesus von Nazaret. Jesus wird von den Christen als der Christus (der Gesalbte), also der jüdische Messias, verehrt sowie als der Mensch gewordene Sohn Gottes.

Der Kern der christlichen Religion rührt nach ihrem Selbstverständnis aus der bedingungslosen Liebe Gottes gegenüber den Menschen. In dieser Liebe, in der sich Gott offenbart bzw. sich selbst erschließt, wird die Beziehung Mensch-Welt-Gott geklärt. Wie alle Religionen mit Exklusivitätsanspruch versteht sich das Christentum selbst entweder als der alleinige Ort, an dem sich Gott den Menschen zugewandt hat oder zumindest als der Ort, an dem er dies in angemessenster, geklärtester und unüberholbarer Weise getan hat. Nach der ersten Position werden alle anderen Religionen als Versuche des Menschen angesehen, mit seinen Anstrengungen und „Werken“ Gott, oder dem, was er dafür hält, zu gefallen und sich ihm zu nähern; die andere Position sieht diese Versuche als unzureichend geklärte. Diese Klärung, die in Gottes Offenbarung geschieht, ist jedoch für beide dieser Positionen ein Geschenk (Gnade) Gottes und nicht durch aktives Tun des Menschen zu erreichen.

Christlicher Lehre zufolge, die wiederum auf dem biblischen Zeugnis basiert, hat sich Gott in Jesus Christus der sündigen Menschheit zugewandt. Der Tod Jesu Christi am Kreuz wird dabei als dienende Erlösertat Gottes angesehen. In Jesus sei somit die Schuld und Sünde der gesamten Menschheit aufgehoben, wobei diese Sündenvergebung für den einzelnen in der von Gott geschenkten glaubender Annahme abhänge. Als Initialzündung des christlichen Glaubens gilt die Erschließung dieser Gewissheit zu Ostern, dem dritten Tag nach Jesu Kreuzigung, an dem Gott an Jesus die Auferstehung bzw. Auferweckung als erstem von allen Menschen gewirkt und somit die Botschaft („Reich Gottes“) dieses Jesus von Nazareth bestätigt haben soll. Auf diesen Oster- bzw. Auferstehungsglauben gründet sich die christliche Gemeinschaft („Kirche“). Diesen Glauben versuchte man, zusammen mit der Erinnerung an Jesus von Nazareth als dem Verkünder der Botschaft Gottes im historisch gewachsenen und in mehreren Konsensbewegungen festgelegten neutestamentlichen Kanon authentisch festzuhalten und zu bewahren (Weiterführendes siehe „Christliche Lehre“). Ein wesentliches Kennzeichen dieses Kanons sind die - durch die anfängliche Gemeinde - auf Jesus von Nazareth übertragenen alttestamentlichen Hoheitstitel wie „Christus/Messias“, „Sohn Gottes“ und andere (vgl. "erneuerte jüdische Tora" (Benedikt XVI.)). Vom Wesenskern her könnte man das Christentum als ein von Jesus von Nazareth reformiertes Judentum bezeichnen. Jesus selbst wird zuweilen auch die erneuerte Tora oder der dritte, nicht von Menschenhand erbaute Tempel genannt.


Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Die christliche Religion, alle Glaubensrichtungen zusammengenommen, ist die zahlenmäßig bedeutendste Weltreligion; es wird geschätzt, dass ungefähr ein Drittel aller Menschen auf der Welt einer der christlichen Kirchen angehören. Diese Zahlen beruhen jedoch nur auf Schätzungen, da die Definitionen, wer als Christ mitzuzählen sei und wer nicht, auseinandergehen. Die meisten staatlichen Statistiken werden auf Selbstbezeichnungen der einzelnen Staatsbürger oder Hochrechnungen zurückzuführen sein, manchmal auch auf amtliche Listen. Inwieweit andere Christen aufgrund dieser Merkmale in den dort gezählten Personen Christen sehen, kann auf statistischer Basis nicht geschätzt werden, da es meistens auf sehr individuelle Geisteshaltungen geprägt wird. In vielen Ländern der Erde werden Christen auch heute verfolgt, so dass von dort auch nur sehr ungewisse Zahlen vorliegen.

Christentum weltweit in Zahlen (2000)

Region Bevölkerung Christen
in Mio. Wachstum in Prozent in Mio. Wachstum
Europa 730 0,05 % 71,0 % 519,1 -0,4 %
Deutschland 82 0,1 % 69,4 % 57,1 -1,0 %
Schweiz 7 0,67 % 86,6 % 6,4 0,4 %
Österreich 8 0,52 % 89,7 % 7,3 0,2 %
Asien 3.691 1,41 % 8,5 % 316,5 3,7 %
Afrika 784 2,41 % 48,3 % 379,4 2,8 %
Angloamerika 309,6 0,85 % 81,5 % 259,0 0,7 %
Lateinamerika 519 1,59 % 91,6 % 476,6 1,5 %
Pazifik 31 1,59 % 73,3 % 22,9 0,74 %
Weltweit 6.065 1,59 % 32,5 % 1.973,0 1,4 %

Bevölkerungszahlen der UNO von 1998. Zahlen über Religionszugehörigkeit aus Gebet für die Welt, Ausgabe 2003 (siehe unten). Die Daten stammen aus den Jahren 1998-2000. Die Wachstumsraten betreffen das durchschnittliche Wachstum von 1995-2000, beruhen jedoch zum Teil auf einem Wechsel der Datenbasis.

Zusammenhalt, Organisation und Richtungen

Die gesamte Christenheit wird als „die Kirche“ angesehen, als Leib Christi mit Christus als Kirchenoberhaupt, und jeder einzelne Christ stellt ein Glied dieses mystischen Leibes dar. Manche christlichen Theologen unterscheiden zwischen der „unsichtbaren Kirche“, die alle gläubigen Christen aller Konfessionen umfasst, und der oder den sichtbaren Kirchen, deren Mitglieder mehr oder weniger gläubig sein können. Alle christlichen Kirchen und Gemeinden fühlen sich dem Leib Christi zugehörig. Die Meinungen darüber, wer außer der spezifischen Kirche auch noch dem Leib Christi zugehört, sind jedoch sehr unterschiedlich: das Spektrum geht von „alle getauften Mitglieder aller christlichen Kirchen“ über „wir wissen es nicht“ bis zu „nur wer so wie wir glaubt und in unserer Gemeinschaft getauft ist“.

Viele Kirchen sind in einer mehr oder weniger lockeren Gemeinschaft mit anderen Kirchen, die in beiderseits anerkannten Lehren begründet ist, ohne deshalb ihre spezifischen Lehren und Bräuche aufzugeben. Beispiele für solche Gemeinschaften sind der Ökumenische Rat der Kirchen, die Evangelische Allianz, die Leuenberger Konkordie. Daneben gibt es auch Kirchengemeinschaften, die die vollständige gegenseitige Anerkennung von Sakramenten, Kirchenmitgliedschaft und Ämtern beinhalten. Beispiele für solche Kirchengemeinschaften sind die anglikanische Kommunion oder die östlich-orthodoxen Kirche oder die evangelischen Unierten Kirchen.

Innerhalb des Christentums entstanden bald mehrere Gruppierungen bzw. Strömungen, manchmal durch politische Motive oder geografische Gegebenheiten, aber auch durch abweichende Lehrmeinungen. Grob lassen sich diese Richtungen nach ihren Merkmalen in Konfessionen einteilen. Zu einer Konfession gehören eine oder mehrere Kirchen oder Gemeinden. Der einzelne Christ ist Mitglied einer bestimmten Kirche oder Gemeinde. Neben den Konfessionen gibt es heute auch konfessionsübergreifende theologische Richtungen, beispielsweise liberal, evangelikal, oder charismatisch.

Historische Entwicklung

In der antiken Welt gab es fünf christliche Patriarchate, denen jeweils die lokalen Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe unterstellt waren: Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. War über wesentliche Lehrfragen zu entscheiden, wurde ein Konzil (eine Versammlung von Bischöfen) einberufen. Das höchste Ansehen genossen die ökumenischen Konzile, in denen Bischöfe aus allen Patriarchaten zusammenkamen; allerdings hatten auch diese nicht „das letzte Wort“, denn mehreren Konzilen, die sich selbst als „ökumenisch“ betrachteten, wurde dieser Status wegen mangelnder Zustimmung der Bevölkerung später aberkannt. Insgesamt gab es zwischen 321 und 787 sieben ökumenische Konzile, die bis heute von östlich-orthodoxen, katholischen und den meisten evangelischen Kirchen anerkannt werden; viele evangelische Kirchen erkennen allerdings das siebte Konzil nicht an wegen seiner Ikonenlehre.

Zu einer ersten Spaltung kam es 451 nach dem ökumenischen Konzil von Chalcedon, das die Natur Christi als sowohl menschlich als auch göttlich definierte (siehe auch Arianismus). Die Patriarchate einschließlich Rom akzeptierten den Konzilsentscheid. Die miaphysitischen Kirchen haben dagegen eine Auslegung gewählt, die nicht mit der des Konzils vereinbar ist. Die Koptische Kirche hält Jesus für fleischgewordenes Wort, d.h. er ist göttlich, jedoch in vollkommen fleischlicher Gestalt. Beide spalteten sich von ihren jeweiligen Patriarchaten Antiochia und Alexandria ab. Die Assyrische Kirche des Ostens vertrat eine dem Miaphysitismus entgegengesetzte Position.

In den folgenden Jahrhunderten vertiefte sich in der Reichskirche die Entfremdung zwischen der östlichen und westlichen Tradition bis zum definitiven Bruch. Die westliche Tradition entwickelte sich in der Spätantike und im frühen Mittelalter im weströmischen Reich, während die östliche Tradition in Konstantinopel, Kleinasien, Syrien und Ägypten entstand (Byzantinisches Reich). Die eigentlich dogmatischen Unterschiede bleiben zwar bis heute gering, aber die römische Kirche hatte in dieser Zeit Lehren entwickelt, die nicht von ökumenischen Konzilen abgesegnet worden waren, z. B. bezüglich Primat des Papsttums und Filioque und forderte Jurisdiktion über die übrigen Patriarchate, was diese verweigerten. Weitere Unterschiede bestanden seit langem bezüglich politischer Umgebung, Sprache und theologischen Ansätzen. Die Situation eskalierte und 1054 kam es zu einer gegenseitigen Exkommunikation zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel. Auf diesen Anlass wird üblicherweise das Morgenländische Schisma zwischen östlich-orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche datiert. Trotz einiger Versöhnungsversuche blieben die Traditionen von da an getrennt.

Die westliche Tradition (Römisch-katholische Kirche ohne unierte Ostkirchen) erfuhr durch die Reformation des 16. Jahrhunderts eine neue tief greifende Spaltung. Sie betraf vor allem das Kirchen- und Sakramentsverständnis und die Erlösungslehre. Die reformatorische Bewegung führte zu mehreren parallelen Kirchenbildungen, von denen sich im weiteren Verlauf neue Gruppierungen lösten, die sich aber auch wieder zu Kirchengemeinschaften zusammenfanden.

Während die verschiedenen Traditionen sich früher gegenseitig exkommunizierten, sind sie heute bei einer gewissen Akzeptanz und einer unterschiedlich stark ausgeprägten Zusammenarbeit in der Ökumene angelangt und sehen Konfessionen, die die zentralen Elemente der christlichen Lehre ebenfalls bejahen, als christliche Schwesterkirchen, oder zumindest christliche Kirchengemeinschaften (siehe Domine Jesu) an. In der evangelikalen Tradition ist die ökumenische Zusammenarbeit mit Kirchen, die dieser Tradition nicht angehören (z. B. im Weltkirchenrat), umstritten; auch die römisch-katholische Kirche arbeitet nicht in diesem Gremium mit.

Östliche Tradition

Die Patriarchate von Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem und einige seither neu dazugekommene nationale Kirchen, haben bis heute die gleiche Theologie und Spiritualität, die sich, im Gegensatz zu einigen Teilen der protestantischen und katholischen Theologie, kaum verändert hat, und sehen sich als Teil der ursprünglichen, von Christus gegründeten Kirche. Allen ist gemeinsam, dass sie Bibel und Liturgie in der jeweiligen Landessprache haben. Die größte orthodoxe Kirche ist heute die Russisch-Orthodoxe Kirche. Heute haben die orthodoxen Patriarchate oft auch Kirchen im Ausland, die ihnen unterstellt sind. Es gibt signifikante Unterschiede zwischen den Orthodoxen und den westlichen Kirchen - dazu gehören z. B. die Interpretation der Dreieinigkeit und der Erlösungstat Christi, der Stellenwert der Liturgie, die Heiligungslehre, die Spiritualität, die Bedeutung von Ikonen, oder die Lehre über die Kirche. Die orthodoxen Kirchen haben ihre historischen Schwerpunkte in Osteuropa, im Balkan, im Nahen Osten, in Indien und in Nordostafrika, sind heute als Auswandererkirchen in allen Teilen der Welt zu finden.

Römisch-katholische Kirche und orthodoxe Kirchen unterscheiden sich also hauptsächlich darin, dass es in der orthodoxen Kirche keinen Papst gibt (obwohl der Patriarch von Konstantinopel einen Ehrenvorrang innehat) und die Orthodoxie von synodalen Prozessen geleitet wird. In beiden Kirchen gibt es 7 heilige Sakramente (Taufe, Heilige Eucharistie/Kommunion, Salbung bzw. Firmung, Sakrament der Versöhnung/Bußsakrament, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe). In orthodoxen Kirchen werden die Sakramente Taufe, Erstkommunion und Firmung zusammen im Kindesalter gespendet, während dies in der römisch-katholischen Kirche zeitlich abgestuft wurde; in den katholischen Ostkirchen werden Eucharistie und Firmung ebenfalls unmittelbar nach der Taufe gespendet. Der Zölibat wird in der orthodoxen Kirche wie auch in den mit Rom unierten katholischen Ostkirchen nur für das Bischofsamt und für Ordensleute vorgeschrieben, während er in der westlichen katholischen Kirche für alle Priester vorgeschrieben ist. Die Lehre beider Kirchen basiert auf der Lehre Christi, deren Verständnis in der kirchlichen Tradition unter der Leitung des Heiligen Geistes fortschreiten kann, wobei eine „traditio constitutiva“ (unveränderbar) und eine „traditio divino-apostolica“ die sich in der menschlichen traditiones zeigt (Ausdruck, daher veränderbar) zu unterscheiden ist. Die Orthodoxie beschränkt die „traditio constitutiva“ auf die von ihnen anerkannten ökumenischen Konzilien.

Westliche Tradition

Im weströmischen Reich entwickelte sich eine Lehre, dass der Bischof von Rom (Papst) eine Autorität besitzt, die direkt auf den Apostel Petrus zurückgeführt werden kann und die ihn zum Stellvertreter Christi und damit Inhaber des obersten Jurisdiktions-, Lehr- und Hirtenamts in der christlichen Kirche macht. Diese Entwicklung, die schon unter Irenäus von Lyon angefangen hatte, vollzog sich schrittweise, bis im 1. Vatikanischen Konzil das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit bezüglich der ex cathedra verkündeten Glaubensaussagen promulgiert wurde. Um die Mitte des zweiten Jahrtausends entwickelte sich an verschiedenen Orten in Europa (Martin Luther und Ulrich Zwingli im deutschen Sprachraum, Johannes Calvin im französischen, und Thomas Cranmer im englischen) aus Protest gegen Missbräuche in der katholischen Kirche die Reformation. Nach der Reformation war die westliche Kirche weiter in eine römische Tradition (die in der Reformation zu Rom hielt) und eine reformatorische Tradition (die sich von Rom löste) gespalten. Im Ersten Vatikanischen Konzil trennten sich dann, unter Führung des Erzbischofs von Utrecht, die Altkatholische Kirche von der römisch-katholischen Kirche; weil ihre historische Tradition zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert mit Rom parallel lief, sie sich aber heute in ihrer Lehre mit der Anglikanischen Kirche, die aus der Reformation hervorging, einig ist, ist ihre Klassifizierung schwierig.

Römische Tradition

Der Römisch-Katholischen Kirche gehören weltweit etwa 1,1 Milliarden Gläubige an. Sie sieht sich – gemeinsam mit der orthodoxen Kirche – als alleinige Verwalterin aller Sakramente, da sie in ihr die Kirche Christi verwirklicht sieht (vgl. 2. Vatikanisches Konzil Lumen Gentium so wie Apostolicae Curae und Domine Jesu).

Die römisch-katholische Kirche ist die größte christliche Konfession und in regional unterschiedlicher Stärke weltweit vertreten. Derzeit wächst die katholische Kirche um mehr als 15.000.000 Menschen jährlich[1]. Die apostolische Sukzession spielt bei ihr eine Rolle bei der Gültigkeit der Weihe von Bischöfen und daran anknüpfend Priestern.

Im I. Vatikanischen Konzil trennten sich die Kirchen der römischen Katholiken und die der Altkatholiken; letztere lehnen das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes ab und ebenso den Pflichtzölibat, während erstere die gegenteilige Position in diesen Fragen hat; die Leitung bei den Altkatholiken obliegt ähnlich der Orthodoxie einer Synode.

Römisch-katholische Gottesdienste sind für alle zugänglich; anders als bei vielen anderen Kirchen ist der Kommunion-Empfang jedoch nur für getaufte Christen, die sich in Einheit mit der römischen Lehre wissen, und auch nur nach Empfang der Erstkommunion möglich. Die Interkommunion ist untersagt.

Evangelische Tradition

Die evangelischen Kirchen verstehen sich als aus der biblischen Schrift heraus begründet (Sola scriptura), während die römisch-katholische Kirche sich durch die Schrift und die Überlieferung begründet sieht. Dennoch erkennen die evangelischen Kirchen die frühen kirchlichen Traditionen, ihre Synode, und die aus ihr stammenden Bekenntnisse (Apostolikum, Nizäisches Glaubensbekenntnis) an. Diese beziehen ihre Autorität jedoch nur aus ihrem Einklang mit dem evangelischen Verständnis der Schrift, und nicht aufgrund der Ämter ihrer Autoren.

Die öffentliche Auseinandersetzung Luthers mit der römisch-katholischen Tradition begann – nach einer mehrjährigen theologischen Entwicklung – mit den 95 Thesen; seine Lehre ist in zwei von ihm verfassten Katechismen (Großer und Kleiner Katechismus) u.a. Schriften festgehalten. Luther selbst war noch Verfechter der Kindstaufe, des Bußsakraments und der Marienverehrung. Der als Augustinermönch ausgebildete Theologe verfasste allerdings eine neue, auf Augustin fußende Rechtfertigungslehre, die besagt, der „Glaube allein“ (Sola fide) würde den Menschen „coram Deo“ (vor Gott) gerecht machen und ihn so vor der gerechten Strafe Gottes erretten. Basierend auf dieser Rechtfertigungslehre, sowie dem Prinzip der Sola scriptura, erkennen evangelische Christen als Sakramente nur zwei Handlungen an: die Taufe, bei der Jesus selbst nicht handelnder gewesen ist, sondern Johannes der Täufer, und das Abendmahl oder Herrenmahl, das Jesus selbst begründete. Für beide Handlungen sind ein Wort und ein Element konstitutiv, die in der biblischen Überlieferung mit dem Gebot Jesu verbunden sind, sie durchzuführen. In der evangelischen Tradition gibt es unterschiedliche Abendmahlsverständnisse, die jedoch in der Leuenberger Konkordie für nicht kirchentrennend gehalten werden. Die reformierte Tradition versteht das Abendmahl dabei als rein symbolisches Gedächtnismahl, während in der lutherischen Tradition der Gedanke der Realpräsenz Jesu „in, mit und unter“ den Elementen Brot und Wein betont wird (Konsubstantiation), ohne allerdings deren Wandlung (Transsubstantiation) wie im katholischen Verständnis. Es ist weiterhin möglich, die Beichte abzulegen und Absolution zu empfangen, aber dies sei weder notwendig, noch sei es ein Sakrament. In manchen evangelischen Kirchen (nicht jedoch den deutschen Landeskirchen, die in der Evangelische Kirche in Deutschland vereint sind) wurde die Taufe unmündiger Kinder oft durch die Gläubigentaufe ersetzt, da diese Kirchen davon ausgehen, ein persönlicher Glaube des Täuflings sei neutestamentliche Voraussetzung für den Empfang der Taufe (sola fide). Die vielfältigen evangelischen Konfessionen sind institutionell autonom und haben keine offizielle gemeinsame Lehre, die über die Schrift hinaus geht, und kein gemeinsames Oberhaupt außer Christus.

Die gemeinsamen Grundgedanken der evangelischen Kirchen lassen sich durch die „vier Solas“ zusammenfassen:

Ein besonderer Fall ist die Anglikanische Kirche, die an der apostolischen Sukzession festhält (obwohl die römisch-katholische Kirche an der Gültigkeit der anglikanischen Bischofsweihe zweifelt), und an vielen katholischen Bräuchen in der Liturgie und an eucharistischem Verständnis festhält. Bezüglich Einstellung zur Kirchentradition gibt es alle Zwischenstufen von der Anglikanischen Kirche bis zu den calvinistisch-reformierten Kirchen, die alle Kirchentradition außerhalb der Bibel ablehnen.

Über Lehre und Praxis wird in den meisten Konfessionen durch Synoden oder Konferenzen auf internationaler Ebene entschieden, in anderen Konfessionen auf der Ebene der lokalen Kirche.

Heute sind die Unterschiede zwischen liberalen und konservativen Flügeln innerhalb einer Konfession oft größer als die Unterschiede zwischen einzelnen Liberalen bzw. zwischen einzelnen Konservativen aus verschiedenen Konfessionen.

Während die evangelischen Konfessionen früher sehr stark die Unterschiede betonten, gibt es heute einige Ansätze zur Annäherung: Viele evangelische Konfessionen in Europa haben sich in der Leuenberger Konkordie zusammengeschlossen, konservative Konfessionen arbeiten in der evangelischen Allianz zusammen, in einigen Fällen ist es sogar zu Wiedervereinigungen gekommen (United Church of Canada aus Lutheranern, Methodisten und Presbyterianern; Uniting Church of Australia aus Presbyterianern, Kongregationalisten und Methodisten; United Church of Christ aus sieben Konfessionen). Mit dem Weltkirchenrat gibt es auch ein Gremium der ökumenischen Zusammenarbeit nicht nur zwischen den verschiedenen evangelischen Kirchen, sondern auch mit den orthodoxen Kirchen zusammen.

Andere Konfessionen

Verschiedene andere Konfessionen, für die Jesus Christus ebenfalls eine zentrale Figur ist, sehen sich weder in der orthodoxen, katholischen noch in der evangelischen Tradition. Gruppen, die sich selbst so einordnen, sind beispielsweise die Quäker, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und andere Gemeinschaften der Mormonen, die Freien Bibelforscher, die Vereinigungskirche, die Freien Bibelgemeinden und die Zeugen Jehovas. Diese Neureligiösen Gemeinschaften haben in der Regel abweichende Auslegungen, welche für Außenstehende teilweise schwer nachvollziehbar sind. Beispielsweise haben sie Ansichten über die Dreieinigkeit, die nicht mit den ökumenischen Konzilen übereinstimmen oder gleichwertige Schriften neben der Bibel. Solche Gruppen haben teilweise die (allerdings unterschiedlich stark ausgeprägte) Tendenz, ihre eigene Sicht des Christentums absolut zu setzen. Die Unitarier bezeichnen sich als Grenzchristen (borderline Christians), da Jesus Christus keine zentrale Rolle in ihrem Glaubenssystem spielt.

Oberhäupter einiger christlicher Konfessionen

Oberhäupter einiger christlicher Konfessionen
Konfession Oberhaupt Erstes Oberhaupt Aktuelles Oberhaupt Anzahl Apost. Sukzession
Katholische Kirche Papst Simon Petrus Benedikt XVI. 265 Ja
Orthodoxe Kirchen Patriarch von Konstantinopel (nur Ehrenvorsitz) Apostel Andreas Bartholomäus I. 273 Ja
Anglikanische Kirchengemeinschaft Erzbischof von Canterbury Thomas Cranmer Rowan Douglas Williams 35 Umstritten
Koptische Kirche Papst Johannes Markus Shenouda III. 116 Ja
Syrisch-Orthodoxe Kirche Patriarch Simon Petrus Ignatius Zakka I. Iwas 122 Ja
Armenische Apostolische Kirche Patriarch Judas Thaddäus Karekin II. 152 Ja
Assyrische Kirche Patriarch Apostel Thomas Dinkha IV. Khanania 115 Ja
Neuapostolische Kirche Stammapostel Friedrich Krebs Wilhelm Leber 8 Nein
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Präsident Joseph Smith Gordon B. Hinckley 15 Nein

Christentum heute

Das Christentum wächst heute in den meisten Erdteilen der Welt sehr stark, wobei sich sein Schwerpunkt vom "alten" Kontinent Europa hin zu den "neuen" Erdteilen verschiebt. Besonders stark wächst es in Asien und Afrika. In Europa kann man auf Grund des Geburtenrückganges und gleichzeitiger Migration einen schwachen Rückgang der Gesamtzahl der Christen verzeichnen. Dieses Wachstum verteilt sich gleichermaßen auf die katholische Kirche, evangelikale Konfessionen und lokale Kirchen der Pfingstbewegung. Der Anteil der traditionellen evangelischen Konfessionen geht somit langsam zurück. Hinzu kommt ein leichtes Erwachsen von eher kirchenfernen christlichen Gemeinschaften, wie der Communauté de Taizé.

Die Aufklärung hat das Christentum im 17. und frühen 18. Jahrhundert politisch in erheblichem Maße geschwächt. Der bedeutendste Wandel bestand in der teilweisen Distanzierung von Kirche und Staat. Seither ist es in vielen Staaten möglich, die Ansichten der jeweiligen Kirche offen abzulehnen oder aus der Kirche auszutreten.

Lehre

Die zentralen Elemente der christlichen Lehre sind die Auferstehung Jesus Christi, die Liebe zu Gott (Gottesliebe) und die Liebe zum Nächsten (Nächstenliebe). Die Menschwerdung Gottes im Messias Jesus, sein Opfertod in Form der Kreuzigung sowie der Glaube an die Auferstehung nach dem Tod. Die Christen glauben, dass diese Ereignisse die Basis von Gottes Werk bilden, mit welchem die Menschheit mit ihm ausgesöhnt werden sollte. Die christliche Lehre schloss jüdische Urchristen, die diesen Glauben annahmen, von der Gemeinschaft der Juden untereinander aus, da diese es unter anderem ablehnten, einen Menschen anzubeten, denn sie sahen in Jesus Christus nicht den verheißenen Messias und Sohn Gottes.

Jesus ist nach einem mehrheitlich akzeptiereten christlichen Glaubensverständnis ganzer Gott und ganzer Mensch – mit der Betonung: ganzer Mensch, jedoch ohne menschliche Sünde und von der Erbsünde frei. Zudem wird gelehrt, dass Jesus Christus nicht gesündigt hat und nicht sündigen könne. Er wird als Mensch und als Gott angebetet. Im Gegensatz dazu lehnen der jüdische Glaube sowie Lehre und Auslegung des Islam sowohl die Möglichkeit der Inkarnation Gottes als Mensch als auch dessen Anbetung ab.

Es existieren allerdings viele Meinungsunterschiede, was nun wirklich das entscheidende Kriterium für das Christ-Sein darstellt. Zum einen gehen sehr viele davon aus, dass zum Christ-Sein sowohl das Befolgen der ethischen Prinzipien, wie auch aktive Teilnahme an der christlichen Kirche dazugehört. Andere Menschen sehen sich selbst als Christen, weil sie gottesgläubig sind und die christliche Ethik achten, ohne dass sie allerdings selbst (aktives) Mitglied in einer Kirche sind. Der Ausdruck humanistische Christen bezeichnet wiederum Menschen, welche weder in einer Kirche sind noch an Gott glauben, jedoch ihre Ethik als christlich betrachten. Anonyme Christen (nach Karl Rahner) sind hingegen diejenigen, welche das Christentum nicht kennen oder es sogar bewusst ablehnen, aber dennoch den moralischen Prinzipien folgen. Evangelikale Christen lehren, dass es einer bewussten Entscheidung für den christlichen Glauben bedarf (Bekehrung, Wiedergeburt), die eine radikale Veränderung des Lebens mit sich ziehen würde.

Ursprung und Einflüsse

Die ersten Christen waren Juden, die sich zum Glauben an Jesus Christus bekannten. Die Christen übernahmen aus der jüdischen Tradition sämtliche alttestamentliche Schriften, wie z. B. die fünf Bücher Mose, so wie auch viele grundsätzliche Lehren wie den Glauben an einen Messias oder Christus (aus dem griechischen: christos: Gesalbter). Von den Juden übernommen wurde auch die Art der Gottesverehrung sowie das Gebet und die Verwendung der Psalmen. Eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Judentum besteht in der Anbetung des gleichen Schöpfergottes. Jedoch sehen die meisten Christen Gott als einen dreifaltigen Gott an (Trinität): Den Vater, den Sohn (Christus) und den Heiligen Geist, die zusammen eine Einheit bilden. Jesus Christus ist nach christlicher Lehre zugleich ganz Mensch und ganz Gott. Christentum basiert auf dem Glauben, dass Jesus von Nazareth der Christus ist, sowie auf die Lehren Jesu und den Glauben auf seine Auferstehung. Die Lehren Jesu wurden im ersten Jahrhundert der (nach Jesus Christus benannten) christlichen Zeitrechnung (A. D. = anno domini = im Jahr des Herrn) von Urchristen entscheidend entwickelt und ausgearbeitet.

Bezugsquellen und heilige Schriften

Die zentrale Bezugsquelle für den Inhalt und das Wesen des christlichen Glaubens ist die Bibel, wobei ihre Wertung und Auslegung stark variiert.

Die christliche Bibel besteht aus zwei Teilen: dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Das Alte Testament entspricht inhaltlich bis auf Details dem jüdischen Tanach und wurde von Jesus und den Urchristen ebenso wie von den Juden als Heilige Schrift gesehen. Das Neue Testament enthält Berichte vom Leben Jesu (Evangelien), der frühen Kirche (Apostelgeschichte; Urchristentum), Briefe der Apostel, sowie die Offenbarung des Johannes. Die Begriffe „Alt“ und „Neu“ für die Testamente bezeichnen den Tatbestand, dass es aus Sicht der Christen einen alten und einem neuen Bund zwischen Gott und den Menschen gibt.

Der Umfang des Alten Testaments wird von verschiedenen Konfessionen unterschiedlich bestimmt, da die griechische Überlieferung der Septuaginta auch mehrere Texte enthält, die in der hebräischen Überlieferung nicht enthalten sind. Die Teile, die nur in der Septuaginta stehen, werden je nach Sichtweise als deuterokanonische Schriften bzw. Apokryphen bezeichnet. Einzelheiten sind im Artikel Kanon des Alten Testaments aufgeführt.

Über den Inhalt des Neuen Testaments besteht bei allen großen Konfessionen ein Konsens, der sich in den ersten vier Jahrhunderten entwickelt hat. (Der Artikel Kanon des Neuen Testaments geht dazu in Details.)

Durch zahlreiche Funde von Kodizes und Papyri in den letzten zwei Jahrhunderten kann der ursprüngliche Text des Neuen Testaments heute mit großer Genauigkeit wissenschaftlich rekonstruiert werden. Einzelheiten dazu sind in der Thematik Textgeschichte des Neuen Testaments beschrieben. Jedoch gehen die Meinungen der Theologen und der einzelnen Christen heute weit auseinander in der Frage, in wie weit es sich bei diesem Text um exakte Überlieferungen von Jesus und den Aposteln oder um Zusätze der frühen Kirche handelt.

Ebenso gibt es sehr unterschiedliche Sichtweisen bezüglich der richtigen Methode der Übersetzung, die im Artikel Bibelübersetzung und bei Artikeln über die einzelnen Bibelübersetzungen detailliert dargelegt sind.

Auch bezüglich Exegese (Auslegung) der biblischen Texte und ihrer praktischen Anwendbarkeit auf Ethik und tägliches Leben gibt es eine große Bandbreite von Meinungen, sowohl unter den Konfessionen als auch bei einzelnen Christen innerhalb der Konfessionen. Die offiziellen Aussagen und Bibelinterpretationen seitens der Kirchen spielten vor allem in früherer Zeit eine große Rolle, während die Menschen heute sich oft eigene Interpretationen zurecht legen, wobei sie nicht selten dabei offen den Vorgaben ihrer jeweiligen Kirchen widersprechen. Wieder andere Christen gehen davon aus, dass allein die persönliche Führung durch den Heiligen Geist ihr eigenes Verständnis für das Wort Gottes öffnet.

Neben der Bibel spielen bei den meisten Konfessionen auch andere Überlieferungen wie Glaubensbekenntnisse, Weltkatechismus, Tradition, Liturgie und christliche Vorbilder wie Heilige eine wesentliche Rolle in der Ausformung der kirchlichen Praxis.

Heute lassen sich einige Christen auch durch andere, insbesondere östliche Religionen oder durch neutestamentliche Apokryphen inspirieren, Texte aus den ersten zwei Jahrhunderten, die nicht in den Kanon der Bibel mit aufgenommen wurden. Beides gehört in keiner Kirche zur offiziellen Lehre.

Christliche Lehre

Während in der christlichen Lehre zahllose Varianten der zentralen Elemente der christlichen Lehre existieren, gibt es doch einige Punkte, die orthodoxe, katholische und evangelische Konfessionen über die meiste Zeit in den letzten 2.000 Jahren für unverzichtbar für den christlichen Glauben gehalten und mehrfach offiziell bestätigt haben:

In der katholischen und orthodoxen Kirche wird Maria verehrt, laut frühchristlichem Konzilsbeschluss Theotokos = Muttergottes genannt und um Fürsprache gebeten (Marienverehrung). Die evangelischen Kirchen messen Maria unterschiedliche Grade der Bedeutung bei und lehnen den Begriff „Muttergottes“ zumeist ab. Während Martin Luther den Gläubigen noch die Fürsprache Mariens empfahl, hat sich dies, besonders bei den Evangelikalen, nicht bis in die Gegenwart gehalten. Vereinzelt finden sich noch Marienstatuen oder -bildnisse in anglikanischen Kirchen, nur selten in lutherischen Kirchen, und in den übrigen evangelischen Kirchen fehlen sie ganz. Ähnlich das Verhältnis zu anderen so genannten „Heiligen“ und ihren bildlichen Darstellungen.

Beziehung zu anderen Weltanschauungen

Das Christentum hat andere Religionen beeinflusst, deren Anhänger sich zwar nicht als Christen sehen, aber Jesus als Propheten Gottes anerkennen. Der Islam ist die größte dieser Religionen, Jahrhunderte christlich-islamischer Auseinandersetzungen haben jedoch das Jesus-Bild im Koran undeutlich werden lassen. So trägt Jesus im Koran einerseits positive Titel wie Messias, Wort Gottes und auch Geist Gottes; ebenso wird er, wie manche biblische Propheten, als ein solcher angesehen. Scharf zurück gewiesen werden im Koran jedoch die Dreieinigkeit und jede Anbetung Jesu. Umstritten (und nach mehrheitlicher, nicht ausschließlicher Auffassung geleugnet) ist die Kreuzigung. Erst sehr langsam beginnt der entfaltende Dialog hier anzusetzen.

Dem Christentum wird generell unter Nichtchristen Positives wie Negatives zugesprochen. Positiv wird meist die Lehre der Nächstenliebe gesehen. Auch setzen sich weltweit viele Christen für den Frieden und für barmherzige Konzepte gegen die Armut ein. Negativ wird die Geschichte des Christentums mit Kreuzzügen, Hexenverfolgungen und Antijudaismus gesehen. Die Positionen zu ethischen Reizthemen wie künstlicher Empfängnisverhütung, Homosexualität, Abtreibung sind auch innerchristlich umstritten.

Es ist ein Anliegen vieler christlichen Kirchen, sich untereinander zu versöhnen und eine gemeinsame Basis zu schaffen (Ökumene). Außerdem führen einige das Gespräch mit anderen Religionen (interreligiöser Dialog). Ziel ist ein friedliches Koexistieren der Religionen.

Nicht übersehen darf man, dass die frühen Christen stark verfolgt wurden und dass es auch heute, gerade in kommunistischen und islamischen Ländern, eine starke Christenverfolgung gibt.

Dem Christentum wird teilweise der Vorwurf gemacht, eine Mitschuld an der Judenverfolgung gehabt zu haben, da z. B. im Mittelalter Juden verfolgt wurden, weil man ihnen die Schuld am Kreuzestod Jesu gab. Ursache für diese Verfolgung war die Vermischung der historischen und der theologischen Schuldfrage, die dazu führte, dass gegenwärtig lebende Juden für die (historische) Schuld am Tod Jesu haftbar gemacht wurden und beispielsweise als „Gottesmörder“ bezeichnet wurden. Die heutige theologische Forschung unterscheidet zwischen der Frage nach der historischen Schuld für einen Justizmord, die gleichberechtigt für Jesus ebenso wie für jeden anderen Justizmord der Weltgeschichte gestellt werden kann und muss, und der theologischen Frage nach der Bedeutung des Todes Jesu Christi für jeden einzelnen. Die historische Frage nach der Schuld am Tode Jesu wird heute relativ einhellig so beantwortet, dass hier die römische Besatzungsmacht die Verantwortung trug, da die jüdischen Autoritäten gar keine Befugnis zur Hinrichtung von Menschen hatten. Die theologische Frage wird im christlichen Glaubensverständnis so beantwortet, dass ein jeder Sünder selber die Schuld am Kreuzestod Jesu trägt.

Kultureller Einfluss des Christentums

In der Geschichte des Abendlandes haben sich Glaube, Kultur und Kunst wechselseitig beeinflusst. Eine entscheidende Station war beispielsweise der Bilderstreit im frühen Mittelalter. Im Abendland beschäftigte sich Kunst oft mit christlichen Themen, obwohl seit der Renaissance stärker auch Rückgriff auf nichtchristliche Motive aus der Antike genommen wurde.

Musik gehört von jeher zur liturgischen Ausdrucksform des christlichen Glaubens. In allen Epochen der Musikgeschichte schufen die bedeutendsten Musiker ihrer Zeit Werke auch für die Kirchenmusik, so z. B. Händel, Mozart, Mendelssohn; an herausragender Stelle aber vor allem Bach. Dichter wie Martin Luther oder Paul Gerhardt schufen im deutschsprachigen Raum Texte von hohem Rang und beeinflussten die weitere Entwicklung der Kirchenmusik maßgeblich. Der Einfluss des christlichen Glaubens ist dabei nicht auf die so genannte klassische oder E-Musik beschränkt: Als Beispiel sei hier nur der Bereich der Gospelmusik genannt, der vor allem im amerikanischen Kulturkreis unterschiedliche Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts aufgreift und weiterentwickelt.

Auch im Bereich der Sprache hat das Christentum in vielen Ländern maßgeblich gewirkt. Im deutschsprachigen Raum hatte Martin Luther durch seine Bibelübersetzung prägenden Einfluss auf die Entwicklung und Verbreitung der hochdeutschen Sprache. Die Bibel als meistübersetztes Buch der Weltliteratur machte es insbesondere in kleineren Sprachräumen z. T. überhaupt erst einmal erforderlich, eine Schriftsprache zu entwickeln, wodurch kleinere Sprachen häufig in ihrem Wert und ihrer Identität gestärkt wurden.

Musste der christlichen Mission früher z. T. der Vorwurf gemacht werden, zugleich mit dem christlichen Glauben auch die Kultur des Abendlandes (z. B. in Form von Kleiderordnungen) zu exportieren, ist das Selbstverständnis von Mission heute eher auf Inkulturation ausgerichtet.

Quellen

  1. Offizielle Statistik der Katholischen Kirche

Literatur

Auf neun Bände angelegte Gesamtdarstellung, die den aktuellen Forschungsstand miteinbezieht.
Standardwerk zur Geschichte (des Christentums aus dem Blickwinkel) der katholischen Kirche
Das Buch behandelt Fragen, die in der Geschichte des Christentums immer wieder zu Problemen führten.
Rezension: „Was ist das Christentum? Was ist das wirklich Christliche? Was hält die so vielfältigen und in sich verschiedenen christlichen Kirchen ... überhaupt zusammen?“ Fragen, auf die die Kirchen klare Antworten finden müssen, wenn sie die augenblickliche große Krise des Christentums überwinden wollen.
Küng liefert mit seinem Buch eine umfassende Analyse von zwanzig Jahrhunderten der Kirchengeschichte und damit den Grundstock, auf dem sich eine fruchtbare Diskussion über die Zukunft des Christentums führen ließe.
Ratzinger stellt in seiner Darstellung das spezifisch Christliche in großer Prägnanz dar.

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